Zwischen Himmel und Hölle

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Die Tage als Werder-Fan sind auch trotz des jüngsten Erfolges im Nordderby keine einfachen. Im Vergleich zu den Vormonaten wirkt das Spiel verändert, gerade zu pomadig. Die Hauptaufgabe eines Werder-Fans im Jahre 2015 besteht darin sich selbst „einzunorden“. Der immer noch vorhandenen Chance auf Europa steht einem Kader gegenüber, der den anstehenden Aufgaben nicht gewachsen zu sein scheint. Wie ist der aktuelle Bruch im Werder-Spiel zu begründen? Es folgen die Thesen eines Hoffenden.

Der Druck ist Weg

Spätestens nach dem 1:0 Sieg gegen den SC Freiburg am 07.03.2015 war der Abstieg der Grün-Weißen nur noch theoretisch denkbar. Im Anschluss folgten eine 0:4 Niederlage gegen den kommenden Deutschen Meister, ein mageres 1:1 gegen den 1. FC Köln, ein noch magereres 0:0 gegen Mainz 05 und die Last-Minute Niederlage gegen den VFB Stuttgart. Zugegeben: Die durchaus nachvollziehbare Bremer „Denke“ nach dem Bayern-Spiel musste sich eigentlich zwanghaft mit höheren Tabellensituationen befassen. Die Gegner muteten schlagbar an. Trotzdem hatte sich eine Sache verändert: Man war quasi vor dem Abstieg gerettet. Der Kampf um jeden Zentimeter, den man zuvor in jedem Spiel hatte abliefern müssen, war plötzlich, so schien es, nicht mehr erforderlich.
Dazu kam eine scheinbar neu entdeckte spielerische Qualität – das Skripnik-Gen. Das Doppelpass-Außenrißt-Selke-Volley-Tor erinnerte an alte Zeiten. Doch seit Köln scheint den Bremern nicht nur die spielerische Qualität (wieder) abhanden gekommen zu sein. Der angesprochene „Druck“ im Abstiegskampf ist für den unemotionalen neutralen Beobachter allerdings schwer nachvollziehbar. Es gilt also Gründe zu finden, die diese These belegen oder anderweitig Aufschluss geben.

Spielstatistiken im Vergleich

Spiel Laufstrecke Ballbesitz Fehlpässe Gew. Zweikämpfe Fouls
Hoffenheim 119,3km 38,54% 42,16% 48,86% 13
Leverkusen 116,2km 40,86% 50,37% 46,59% 14
Augsburg 116,9km 44,36% 38,33% 49,06% 19
Köln 117,5km 44,04% 38,49% 48,86% 21
Mainz 113,3km 48,13% 35,20% 48,46% 23
Stuttgart 113,3km 53,48% 27,11% 55,36% 13
Hamburg 110,2km 53,13% 31,48% 49,17% 12

Was könnten diese Daten bedeuten? Zum Einen ist, bis auf eine kleine Ausnahme im Köln Spiel, zu erkennen, dass die Laufleistung pro Spiel deutlich gesunken ist. Zum Anderen sind die Anteile beim Ballbesitz deutlich gestiegen.
Eine Möglichkeit für diese Veränderungen sind sicherlich taktische Vorgaben. Besonders im Punkto Ballbesitz ist der „Matchplan“ sicherlich eine ausschlaggebende Komponente. Allerdings ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass sich mit zunehmender Sicherheit (Fortlaufen der Spieltage und zunehmende Punkteausbeute) der Kampfgedanke in der Laufleistung wiederfindet.
Natürlich sollte man hierbei auch bedenken, dass die Komponenten Laufleistung und Ballbesitz in unmittelbarem Zusammenhang stehen (je nach Defensivkonzept) – die Laufleistung also logischerweise höher sein muss, sobald der Gegner mehr Ballbesitz hat.

Sehr deutlich scheint allerdings das Bremer Unbehagen in Zeiten des Ballbesitzes zu sein.  Die gewonnenen Spiele – das Hamburg-Spiel immer außen vor – waren immer Spiele mit weniger Ballbesitz und durchschnittlich minimal weniger gewonnenen Zweikämpfen.
Der oftmals angesprochene Druck ist also nur teilweise als mentales Problem anzusehen. Hier und da fehlt sicher die letzte Konsequenz bedingt durch die fehlende Abstiegsangst. Dennoch wird mehr als deutlich, dass die fehlenden Kreativspieler bzw. die fehlende Qualität einem Spiel den eigenen Stempel aufzudrücken deutlich schwere ins Gewicht fallen.

Ausblick

These: Bremen wird nur Siebter (oder besser), wenn die Mannschaft von Trainer Skripnik eines der Spiele gegen Gladbach oder Dortmund gewinnt. Die Spiele gegen Frankfurt und Hannover werden (bei aller Liebe) in bisheriger Manier, bei Spielen dieser „Größenordnung“, bestritten werden. Demnach sind sechs Punkte aus diesen beiden Spielen eher unrealistisch. Ich denke die Maximalausbeute dieser Partien liegt bei vier Punkten, rechne allerdings eher mit ein bis zwei Zählern.  Augsburg, Hoffenheim und auch der BVB haben ebenfalls noch schwere Spiele, weshalb alles möglich scheint.
Aus Sicht eines Bremers ist darauf zu hoffen, dass sowohl die Gladbacher als auch die Schwarz-Gelben den Bremern die bevorzugte Rolle des wenigen Ballbesitzes überlassen – und so eine höhere Wahrscheinlichkeit auf den Sieg ermöglichen.

Unabhängig vom weiteren Saisonverlauf ist das bisher Geleistete der Grün-Weißen jedoch eher als ein Schritt vorwärts zu bewerten. Das Erreichen der Europa League würde dem Verein, auch im Falle eines frühen Ausscheidens, eine bessere Verhandlungsposition mit Leistungsträgern (diSanto) verschaffen. In der kommenden Spielzeit wäre es vielen Bremern lieber, nicht nur in einer abstiegsbedrohten Tabellenregion mit guten Spielen (Siegen) rechnen zu können.

UPDATE:

Auch das Spiel gegen Paderborn war ein Krampf. In gleicher Art und Weise wie die bereits angesprochenen anderen Partien wurde hier ein unverdienter Punkt mit nach Hause genommen.

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