Silvester-Songschlacht: The Final Countdown vs. ABBA

Fünf vor Zwölf. Die Silvester-Songschlacht steht bevor: The Final Countdown vs. ABBA. Zwischen Weihnachtsgans und Chinaböller (und noch bevor ein überteuertes Feuerwerk den Nachbarn vor Neid erblassen lässt) muss noch der richtige Mitternachtssoundtrack zum Jahreswechsel festgelegt werden – und der hat ja bekanntlich mindestens Auswirkungen auf das Neujahrskarma.

Früher war mehr Lametta! Deshalb sind die klassischen Weihnachtstage wahrscheinlich auch auf die solide Anzahl von drei begrenzt – nach Bescherungs- und Besinnlichkeitsmarathon möchte mancher schnell mal losrennen und wenigstens eine kleine Gemeinheit verzapfen. Oder nen harmonischen Chinaböller statt der Kerze am Adventskranz entzünden. Außerdem müssen noch die Zutaten fürs Silvesterraclette besorgt werden. Und die Geschäfte hatten zwei Tage zu! Flucht aus der Feiertagsapokalypse. In die Feiertagsapokalypse. Und dann ist da noch die schwergewichtige Frage, welcher Song um Mitternacht läuft. Da is dann auch egal, ob sich drei Pärchen durch die heimische Spielesammlung quälen oder kollektiv ein Großstadtmonument geentert wird – der Mitternachtssong gibt schließlich das Karma für das neue Jahr vor. Es wird ja gern mal behauptet, dass „Last Christmas“ von Wham! (die hatten das Ausrufezeichen, das damals noch Einzelgänger ohne Leerzeichen und Großbuchstaben war, noch vor P!nk) die Mutter aller Weihnachtslieder ist. Unter dem Baum hat meine Nichte L prompt beschlossen, dass Melanie Thorntons „Wonderful Dream“ dann die Großmutter sei („na nicht vom Alter her“). Nu gut, das Finale dieser Songschlacht wird erstmal für 12 Monate auf Eis gelegt. Silvester ist die Auswahl an Klassikern lange nicht so groß. Und das Zeitfenster extrem klein. Also wird es meist ein Duell der langen Mähnen – Europe gegen ABBA. Auf der Landkarte wird hier noch nichts entschieden: beide Bands kommen aus dem Land, in dem Musikstars wahrscheinlich doch fließbandartig in hinterwäldlerischen Fabriken zusammengebacken werden. So let’s start chronologisch:

ABBA – „Happy New Year“

Als ABBA 1980 „Happy New Year“ veröffentlichen, waren die happy years eigentlich schon vorbei – bei zwei von zwei Pärchen und somit allen Bandmitgliedern war der Liebesofen aus. Statt bunter Katzenkleider ging es auch outfittechnisch rasenden Rollkragenpullovers langsam dem melancholischen Ende entgegen. Hier wird – so süß die Melodie auch ist – jedenfalls nicht mit Pessimismus und Wehmut gegeizt. Der Sekt ist aus, wir gehn nachhaus. Aber wer braucht schon eine Silvesterhymne, wenn er den Grand Prix-Sieg, Agnethas Po und so viel mehr hat.

Wird gehört von: den Pärchen – vor der letzten Runde Mensch ärgere dich nicht

Europe – „The Final Countdown“

Vor fast genau 30 Jahren, als ABBA dann kurzzeitig wirklich mal sowas wie out waren, haben Europe „The Final Countdown“ auf den Markt geschmissen. Den Song, der gefühlt seit 3000 Silvesterfeiern läuft. Und der irgendwie auch nur aus seinem Intro und den drei titelgebenden Wörtern besteht. Aber 1986 kam wahre Größe noch vom Haarspray und nicht von innen. Weniger Moral, mehr Bombast-Rock (naja, Röckchen), genau das richtige Maß an Endzeitstimmung. Heute lässt Sänger Joey Tempest den rosa Lipgloss und die Dauerwelle weg und es funktioniert trotzdem.

Wird gehört von: allen, außer den Pärchen

Letztes Jahr hatten ABBA bei Spotify die Nase vorn. In Summe aber seit ’86 locker ein Sieg für Europe, für Schweden sowieso. Die ganz Verrückten provozieren ein Unentschieden und spielen beides. Wer weder das eine, noch das andere und schon gar keine zehn Ausstrahlungen Dinner for One ertragen kann: 3sat bringt auch the same procedure as every year – Pop around the clock. 28 unterschiedliche Konzerte in rund 24 Stunden – da ist dann sogar noch der passende Soundtrack für den Neujahrskater dabei, soweit haben ja weder ABBA noch Europe gedacht …

Und damit – allseits guten Rutsch und happy 2016!

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