Pfeiffer mit drei f – so geht Weihnachtsmarkt auch

In der Weihnachtszeit über weihnachtliche Begleiterscheinungen meckern. Ist ja vielerorts ein beliebtes Hobby. Lebkuchenverkauf ab September. Ständig läuft „Last Christmas“ im Radio. Und diese vielen Weihnachtsmärkte erst. Sind eh alle gleich. Und platzen bald vor lauter Menschen, die sich zwischen Glühwein und Schmalzgebäck drüber schieben. Was soll ich sagen, stimmt halt auch irgendwie alles. Gerade in Quedlinburg. Vor allem am Wochenende. Wenn das Höfe-Monster zuschlägt. Gemeint ist „Advent in den Höfen“, wo private Höfe an den ersten drei Adventswochenenden dem weihnachtlichen Angebotsmix aus Handwerk und Gastro die Krone aufsetzen. Ich hab‘ das mal durchdacht: zwischen August und Januar in der Wohnung verschanzen ist dennoch keine Option – jedenfalls keine gute. In sämtlichen Teilen Deutschlands (und sogar in anderen Ecken Europas) gilt die Hofsause inzwischen als der Cadillac unter den Weihnachtsmarktgeschichten. „Geschichten“, weil wir hier immerhin von zwei Dutzend kleinen Märkten reden, die dem großen am Rockzipfel hängen. Im positiven Sinne.

Feliz Hofidad!

Nach einigen Jahren der Höfe-Askese (wegen der vielen Menschen, die sich zwischen Glühwein und Schmalzgebäck drüber schieben), musste ich meine Vorurteile dieses Jahr eindeutig mal erneuern. Oder widerlegen. Das Problem ist im Grunde ganz simpel: Es ist ja nicht so, dass man Handwerk nicht mag. Oder Menschen. Oder Dekofirlefanz. Oder „Last Christmas“. Weihnachten gibt es nur schlicht immer zu viel von allem (wobei ich bei Letzterem absolut schmerzfrei bin). Aber nützt ja nix – Feliz Hofidad, auf zur Testrunde!

Pfeiffer mit drei f

Neben den üblichen Verdächtigen hab‘ ich dann ziemlich schnell mein persönliches Hofparadies entdeckt: „Pfeiffer mit drei f“ in der Pölkenstraße 50, eine ziemlich willkommene Abwechslung im besinnlichen Einheitsbrei. Mein Retro-Ich ist schon bei dem Namen in helle Verzückung geraten. Ein F vor dem Ei und zwei dahinter. Pfeiffer ist eben nicht nur ein Allerweltsname wie Müller (mit zwei L), sondern gleich noch Synonym für „Die Feuerzangenbowle“. Der Heinz Rühmann-Film von 1944 gehört für viele Menschen genauso zur Vorweihnachtszeit wie Plätzchenbacken und DEFA-Märchen. Für mich erst seit 2014, als ich zum ersten Mal in meiner Firma eine Weihnachtsfeier mitgemacht hab. Da gibt’s Feuerzangenbowle als Film mit gleichnamigem Getränk dazu. Wie sich das für ein IT-Systemhaus gehört, übrigens mit kaputten Computerlüftern als Stövchen – für alle, die schon immer mal wissen wollten, wie EDV und Romantik zusammenkommen.

Bowle-Rot und Handschuh-Weiß

DSC_0246Im Pfeiffer-Hof läuft der Film – projiziert an die alte Fachwerkhauswand – ununterbrochen. Ohne Ton natürlich. Dafür als bewegte Deko. Und das ist richtig charmant. Für den Hintergrundsoundtrack sorgen Glenn Miller, die Comedian Harmonists oder Max Raabe. Weil halbe Sachen selten cool sind, tragen alle Pfeiffers Frack und Zylinder. Feuerzangenbowle gibt’s natürlich auch. Während an manchem Weihnachtsmarktstand der Glühwein Fließbandcharme und Fast-Food-Charakter hat, kriegt man seine Feuerzangenbowle hier auf die stilvolle Art und Weise zubereitet: über dem Feuerkessel und natürlich auch mit Zuckerhut. Als Grundlage hält ein trockener Dornfelder vom Winzer aus der Pfalz her. Gleichzeitig tut die Retrogang auch was für die Stoffwirtschaft (nein, ich meine nicht den, der Prozente hat): passend zum restlichen Outfit tragen alle weiße Handschuhe. Wie wir alle wissen, sind die Farben Bowle-Rot und Handschuh-Weiß über die Maße hinaus inkompatibel. Da werden dann pro Tag gern mal zwei bis drei Paare verschlissen, verrät mir der junge Herr hinter der Theke. Da hatte Michael Jackson also kein Monopol drauf.

Die Freunde hinter den Handschuhen

DSC_0248Als ich mitbekommen hab, dass neben Besitzer Dirk auch David (kennengelernt bei der ähnlich nostalgischen Landpartie im September) zu den Pfeiffers mit drei f gehört, bin ich ihm mal ein bissl auf die Fußspitzen getreten, was es mit der Idee auf sich hat. Die war überraschend simpel. Hinter den ganzen Frackträgern verbirgt sich ein Freundeskreis, der schon zu Schulzeiten in Quedlinburg befreundet war. Inzwischen ist die Truppe zwar in ganz Deutschland verstreut, hat sich aber letztes Jahr überlegt, dass das noch lange kein Grund ist, auf einen eigenen Adventshof zu verzichten. Hamburg, Halle, Celle, Neustadt oder Berlin sind ja schließlich nicht aus der Welt. Kurze Bestandsaufnahme bei der Konkurrenz mit dem Ergebnis, dass es doch ein bisschen mehr als der übliche 08/15-Glühwein sein dürfe, den die meisten Höfe im Bauchladen haben. Feuerzangenbowle hingegen ist im Harzstädtchen noch Mangelware – Inspiration gefunden, Buden gezimmert, fertig. So zumindest die Kurzfassung. Was an Geld übrig bleibt, nutzt die Truppe anschließend für einen Kurztrip mit den Familien. Echte Freundschaft eben, wie bei Stand by me (noch nicht ganz so alt, wie der Rühmann-Oldie, aber mindestens genauso gut).

Aber nur einen winzigen Schlock

Wer Weihnachtsdeko um sich herum wünscht, ist im Pfeifferhof allerdings falsch – die gibt’s hier nämlich genau in nullfacher Ausfertigung. Absicht, sagt David. Die haben alle anderen schließlich schon zur genüge – hatter Recht, wie ich finde. Euch bleibt noch genau dieses Wochenende, um einen „winzigen Schlock“ in der Pölkenstraße zu genießen, ehe der Hof sich bis Weihnachten 2017 wieder in seine Alltagshülle pellt. Das hat dann einen Hauch von Aschenputtel – der Zauber erlischt um Mitternacht. Naja, hier schon am dritten Adventssonntag um 19 Uhr. Also, Feliz Hofidad!

Beim Höfe-Monster allgemein gilt: okay, wer mit einer ausgeprägten Menschen- oder Keramikphobie auskommen muss, sollte es meiden – aber es gibt ja offensichtlich auch Positives in die Waagschale zu werfen.

Ein paar Impressionen gefällig?

Pfeiffer mit drei f auf Instagram

Webseite der Pfeiffers

Facebook-Seite des Pfeiffer-Hofs

Webseite Advent in den Höfen

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