Meine zehn Wochen

Lesezeit: 4 min

Ich habe die letzten zehn Wochen erfolgreich eine „Size-Zero“ Diät durchgezogen. Nein!
Ich habe mich die letzten zehn Wochen mit absoluter Leichtigkeit „Low Carb“ ernährt. Ebenfalls nein!
Aber André, was hast du denn dann die letzten zehn Wochen überhaupt gemacht?

Die letzten zehn Wochen sah ich als Experiment an. Ein Experiment mit meinem eigenen Körper. Wie bei vielen anderen  Menschen waren die bisherigen Abnehmversuche zu kurzzeitig oder schon vorab zum Scheitern verurteilt.
Ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Ich hatte für mich den Eindruck, den entscheidenden Störfaktor meiner Diäten gefunden zu haben. Die zehn Wochen der Ernährungsumstellung sollten gleichbedeutend mit zehn Wochen ohne Alkohol sein. Da ich ein sehr feiernder Mensch bin, konnte ich über die Jahre beobachten, dass der Alkohol meine durchaus gute Selbstdisziplin stets zu brechen vermochte. Vor den Partynächten braucht man schließlich eine gute Grundlage. Den Tag danach dann den Pizzabringdienst.

Mein Ziel und meine Helferlein

Mein Ziel für die zehn Wochen waren sieben Kilo. Mein Konzept zur Abnahme war dieses Mal physikalischer Natur und mit einem Wort zu beschreiben: Kaloriendefizit! Mein Körper sollte immer weniger Energie zugeführt bekommen, als er benötigt.
Ich wollte bewusst auf „Bezahlprogramme“ oder Trend-Diäten verzichten und mich auf Dinge verlassen, von denen ich wusste, dass sie früher oder später zu Erfolg führen müssen. Wenn ich hier „müssen“ schreibe, meine ich auch müssen. Es ist schlichtweg nicht möglich, in einem Energiedefizit kein Gewicht zu verlieren. Dabei sollte es allerdings auch klar sein, dass das angesprochene Defizit nicht nur über einen Tag erreicht werden muss. „Heute zwei Äpfel und morgen dann zehn Tüten Chips“ wäre logischerweise wenig Zielführend. All das klingt logisch und dieses Vorgehen als „Konzept“ zu bezeichnen mutet eher lächerlich an. In einer Diät fallen einem aber meistens die leichten Dinge schwer oder erst gar nicht auf.

Mein Ziel war also definiert. Welche Helferlein ich zur Durchführung brauchte, wurde mir deshalb schnell klar:

  • Waage
  • Tracking-App
  • Excel-Tabelle zur Dokumentation
  • Kalorienbedarfrechner

Bevor ich überhaupt startete, musste ich meinen täglichen Kalorienbedarf berechnen. Hierzu gibt es haufenweise Rechner im Internet. Ich benutzte gleich mehrere und bildete den Durchschnitt der Ergebnisse. Dieser stand für meine tägliche Energiezufuhr.
Ich wollte mich jeden Tag zur gleichen Zeit, immer morgens nach dem Aufstehen, wiegen. Hierzu brauchte ich natürlich eine Waage. Das Zählen von Kalorien macht vorallem zu Beginn einen sehr zähen Eindruck. Ich wollte mir das Leben erleichtern und bediente mich der App „Lifesum“. Um meinen Fortschritt zu dokumentieren, legte ich eine Excel-Tabelle an.

Engel links, Teufel rechts

Die ersten Tage verliefen relativ langweilig. Ich wog alles ab, bereitete meine Mahlzeiten gut vor und hatte kaum Zweifel daran mein Ziel zu erreichen. Ich wusste allerdings auch aus vorherigen Diäten, dass mir dieser Part nicht sonderlich schwer fällt. Aus diesem Grund wählte ich auch ein Kaloriendefizit von etwa 800-1000 kcal. Das ergibt im besten Fall ein Defizit von 7000kcal in der Woche und ist somit gleich der Energie eines Kilos Körperfett. Mir ist bewusst, dass diese Rechnung sich so nicht zu 100 Prozent bewahrheitet, allerdings motivierte mich der Gedanke zu wissen wie es funktionieren kann. Darüber hinaus gehe ich eh schon länger ins Fitness-Studio und hatte so die Möglichkeit den Verlust von Muskeln zu überprüfen.

Zurück zu dem Gottes- und Höllenvertreter in meinem Kopf. Während der Engel mir quasi über die ganze Zeit zurief „bereite dein Essen vor“ oder „geh zum Training“, war der Teufel eher ein trojanisches Pferd, getarnt als meine Grundsätze.
Da ich vorher nie meine Kalorien gezählt hatte, benötigte dieser Bereich meine vollste Aufmerksamkeit. Bereits nach wenigen Tagen entwickelt man ein Bewusstsein dafür, wie schlecht das eigene Essverhalten eigentlich vorher aussah. Ein Twix und ein Monster, vorher zugegeben häufiger Bestandteil meiner Ernährung, haben beispielsweise schon über 500 kcal. Der mistige Teufel sorgte nun dafür, dass aus der Bewusstseinsänderung fast schon eine kleine Phobie wurde.
Ich wollte nirgends mehr essen gehen, fragte mich ständig ob das Defizit auch wirklich ausreichte. Viele Abende, innerhalb der ersten zwei bis drei Wochen, verbrachte ich in Gedanken an eventuell nicht getrackte Kalorien.
Oftmals brachte mich meine Freundin auf die Spur. Außerdem entwickelt sich mit den Erfolgen auch eine gewisse Souveränität.

Es mag komisch klingen, aber der Verzicht auf Alkohol war zu Beginn ebenfalls eine große Hürde. Mein gewöhnliches Verhalten beim Grillen ein Bier zu zischen, war schwieriger abzustellen als zu selbigem meine vorbereiteten Mahlzeiten mitzubringen oder vorher ein paar Kalorien zu sparen, damit das Steak reinpasst. Auch dieses Verhalten verbesserte sich nach einigen Alkoholverzichten.

Es geht auch mit Pizza

Ganz auf Pizza bzw. den Bestelldienst wollte ich allerdings nicht verzichten. Zu verlockend waren Sonntagabende und die allgemeine Gemütlichkeit. Wie ich feststellen musste, ist das Resultat der Waage nach einem Fettfraß deutlich ertragbarer, als das Körpergefühl. Während die Waage lediglich zwei bis drei Tage nach der Völlerei noch etwas mehr anzeigt und sich danach wieder einpendelt, ist das Schlafen in der darauffolgenden Nacht und das Trainieren am nächsten Tag  ein absoluter Höllenritt.
Will ich aus meinem Verhalten eine Lehre ziehen, so sollte ich es vielleicht mal mit einer Pizza versuchen, die nicht die Hälfte Hollandaise der gesamten Welt auf einer Monstertruckgroßen Unterlage präsentiert.

Das Ergebnis

Vorab möchte ich natürlich die Rohdaten meines zehn Wochen Experiments zeigen.

WocheVergleich VorwocheVergleich Start
1 -2,1 -2,1
2 -1,3 -3,4
3 -1,8 -5,2
4 -0,8 -6,0
5 -1,7 -7,7
6 -0,8 -8,5
7 -0,8 -9,3
8 -o,5 -9,8
9 -0,9 -10,7
10 -1,4 -12,1

Insgesamt sind also zwölf Kilo verschwunden. Ich bin mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Die Erkenntnisse der vergangenen Wochen sind allerdings weitaus wichtiger für mich. Ich habe Spaß an gesunder Ernährung gefunden. Außerdem gefällt mir die Fähigkeit bestimmte Körperreaktionen einschätzen zu können.
Mit dem nun häufigeren Verzicht auf Alkohol und dem damit verbundenen Gefühl mehr Zeit zu haben, habe ich das Rad nun nicht gerade neu erfunden.

Weiter geht’s, die nächsten Kilos warten.

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