Die Hölle von T

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13. November 2017. Kennt ihr – und das meine ich heute keineswegs sarkastisch, sondern durchaus anerkennend – diese ambitionierten Hobbyläufer? Die, die sich vornehmen, zu laufen und es dann auch immer tun? Egal, was kommt und geht, ob’s stürmt, ob’s schneit? Gut. So einer bin ich nicht. Ich bin eher Typ „stümperhafter Gelegenheitsläufer“, bei dem das Training stets zwischen Rang 11 und 32 der Prioritätenliste dahin siecht. Das aber auf eine gewisse Art auch sehr … ausdauernd.

Wenn Pfeiffen flirten

harzlauf_thale_2017So kam es, dass ich aus freien Stücken mit einer Teilnahme am 50. Harzlauf geflirtet hab‘. Der findet immerhin in meiner Heimat, der ungekrönten Harzhauptstadt Thale, statt. Und feiert Jubiläum. Herwart hat irgendwie auch geflirtet. Aber eher grobmotorisch. Und mit umherfliegenden Ästen. Tja, wenn Pfeiffen mal flirten. Ging bei ihm aber vielleicht auch gar nicht anders, schließlich war Herwart ein Sturm. Die Jubilare konnten gar nicht anders, als den Lauf zu verschieben. Gut für mich, durch die Terminverschiebung hat mein Kalender grünes Licht gegeben. Meine Nichte L ist auch dabei. Sechs Tage vor dem Lauf haben wir uns mit meiner Schwester an einen Streckentest gewagt. Das war gestern.

Crosslauf-Tourette

Heute frage ich mich, wie ich mich darauf einlassen konnte. Ich meine nicht den Lauf selbst (schließlich bin ich ein professioneller stümperhafter Gelegenheitsläufer). Ich meine den Streckencheck. Wildromantische Strecke im Harz gut und schön (siehe Foto). Der Film birgt aber wie so oft mehr als nur sein Werbeplakat. Weniger schön: Knapp zwei Kilometer Präsidentenweg. Steil bergauf (mit steil meine ich senkrecht, wenigstens gefühlt), Schotter in allen Größen. Wie eine Murmelsammlung mit Pickeln. Zwischendurch zeige ich immer wieder leichte Anzeichen von Crosslauf-Tourette. Hier unterscheiden sich dann wohl die stümperhaften und die ambitionierten Hobbyläufer. Wenn man vom Mythos „Hölle“ hört, heißt es doch immer, die sei ’ne Etage tiefer zu finden. Das kann nicht stimmen. Meine aktuellen Erkenntnisse siedeln sie bei über 100 Höhenmetern an und der Präsidentenweg ist womöglich ihr Vorhof. Die Hölle von T sozusagen.

Pseudo-empörte Realität

Offensichtlich habe ich (am Schreibtisch sitzend und schreibend) trotz aller Jammerattacken während der Generalprobe überlebt. Was vor allem deshalb unheimlich praktisch ist, weil ich noch nicht angemeldet war. Das hab‘ ich inzwischen nachgeholt. Bevor ich’s mir anders überlege. Ich dachte aber, die noch taufrische Pseudo-Empörung von der Generalprobe wäre ein realitätsnahes Intro für den Beitrag zum Harzlauf. Fortsetzung folgt am 18. November. Diesmal sollte ich das vielleicht explizit erwähnen: Dieses gute Gefühl, den inneren Schweinehund (bin halt Hundesportler durch und durch) besiegt zu haben, hat sich – emotional und körperlich – nach dem Laufen trotzdem eingestellt. Welch‘ Ironie …

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